Erdkollektor-Wärmepumpe: Erdwärme ohne Tiefenbohrung
Wie ein Flachkollektor funktioniert, wie viel Garten er braucht und wann er gegenüber der Sonde die bessere Wahl ist.
So arbeitet eine Wärmepumpe mit Erdkollektor
Bei einer Erdkollektor-Wärmepumpe liegen Rohrschlingen waagrecht in rund 1 bis 1,5 m Tiefe im Garten. Die Sole in den Rohren nimmt die Wärme des oberflächennahen Bodens auf und bringt sie zur Sole-Wasser-Wärmepumpe im Haus. Eine Tiefenbohrung ist dafür nicht nötig.
Der Boden in dieser Tiefe speichert vor allem Energie, die Sonne und Regen von oben eintragen. Über den Winter kühlt er durch den Wärmeentzug ab, im Frühjahr und Sommer lädt er sich wieder auf. Darum ist der Kollektor auf eine ausreichend große, unversiegelte Fläche angewiesen.
Die Wärmepumpe im Haus unterscheidet sich nicht von der Variante mit Sonde. Den gesamten Kreislauf erklärt die Seite Sole-Wasser-Wärmepumpe: Funktion.
Wie groß muss der Erdkollektor sein?
Die Stadt Wien nennt als Richtwert das 1,5- bis 3-Fache der Wohnfläche. So sieht das für typische Häuser aus.
| Beheizte Wohnfläche | Kollektorfläche (1,5-fach) | Kollektorfläche (3-fach) |
|---|---|---|
| 100 m² | ca. 150 m² | ca. 300 m² |
| 130 m² | ca. 195 m² | ca. 390 m² |
| 160 m² | ca. 240 m² | ca. 480 m² |
Eigene Rechnung mit dem Richtwert aus der Broschüre der Stadt Wien (09/2014), Stand Oktober 2026. Ob Sie am unteren oder oberen Ende liegen, hängt vor allem von Heizlast, Dämmstandard und Bodenart ab. Die verbindliche Auslegung macht der Fachbetrieb.
Wann ein Flachkollektor passt und wann nicht
Ein Erdkollektor spielt seine Stärken aus, wenn ohnehin Erde bewegt wird und genug Garten frei bleibt. Typisch ist der Neubau eines Einfamilienhauses auf einem großzügigen Grundstück: Die Rohre werden verlegt, bevor der Garten angelegt wird.
- Gut geeignet: großes, unbebautes Grundstück, Neubau oder Generalsanierung, Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur
- Schwierig: kleiner oder fertig gestalteter Garten, alter Baumbestand, geplante Bebauung auf der Fläche
- Eher Sonde: wenig Fläche, hoher Wärmebedarf, Bohrung am Standort zulässig
Auch der Boden spielt mit. Feuchter, bindiger Boden leitet Wärme besser als trockener Sand oder Kies, entsprechend kleiner kann die Fläche ausfallen. Wie gut der Boden auf Ihrem Grundstück ist, beurteilt der Fachbetrieb bei der Planung.
Erdkollektor oder Erdwärmesonde?
Der Kollektor spart die Tiefenbohrung, braucht aber deutlich mehr Fläche. Die Sonde holt die Wärme aus Schichten, deren Temperatur übers Jahr stabil bleibt, und belegt im Garten kaum Platz. Welche Variante wann sinnvoll ist, vergleicht die Seite Erdwärmepumpe: Sonde oder Kollektor ausführlich.
Genehmigung beim Flachkollektor
Für Tiefensonden sieht § 31c Wasserrechtsgesetz in der Regel ein Anzeigeverfahren vor. Für horizontale Kollektoren nennt die Broschüre der Stadt Wien, dass sie meist auch in Grundwasserschutzgebieten ohne Einschränkung möglich sind. In anderen Bundesländern kann das anders geregelt sein. Klären Sie das vor der Planung bei der Bezirkshauptmannschaft oder beim Magistrat, der Fachbetrieb hilft dabei.
Kosten und Förderung beim Erdkollektor
Für die Erdwärmepumpe selbst nennt Bosch Österreich rund € 18.000 ohne Installation, für Sonde und Kollektor gleichermaßen. Die Erschließung der Wärmequelle macht bei Sole-Wasser-Anlagen laut derselben Quelle etwa 35 % der Gesamtkosten aus. Einen eigenen Richtwert für Flachkollektoren nennt sie nicht. Die Kosten hängen stark davon ab, ob ein Bagger ohnehin auf der Baustelle ist.
Ersetzt die Wärmepumpe eine fossile Heizung, gibt es dafür aus dem Bundesprogramm (Neuauflage Kesseltausch 2026) € 5.000 Pauschale. Der zusätzliche Bohrbonus von € 5.000 ist laut Infoblatt an eine neue Erdwärmesonde oder einen neuen Brunnen gebunden. Für einen Flachkollektor ohne Bohrung ist er daher nicht vorgesehen (Stand Oktober 2026). Alle Kostenblöcke im Überblick finden Sie unter Kosten der Sole-Wasser-Wärmepumpe.
Wollen Sie wissen, ob Ihr Garten für einen Kollektor reicht? Über die Angebotsanfrage erhalten Sie Vorschläge von bis zu drei Fachbetrieben.
Fragen zum Erdkollektor
Wie viel Fläche braucht ein Erdkollektor?
Die Stadt Wien nennt in ihrer Broschüre zur Wärmepumpe einen Flächenbedarf von rund dem 1,5- bis 3-Fachen der beheizten Wohnfläche. Bei 130 m² Wohnfläche wären das rechnerisch rund 195 bis 390 m² Garten. Die genaue Fläche ergibt sich aus Heizlast und Bodenart.
Wie tief wird ein Flachkollektor verlegt?
Laut Stadt Wien liegt ein Flachkollektor in 1 bis 1,5 m Tiefe. Damit liegt er unter der Frostgrenze, bleibt aber nahe genug an der Oberfläche, um von Sonne und Niederschlag nachgeladen zu werden.
Darf man über einem Erdkollektor bauen?
Die Fläche über dem Kollektor sollte nicht versiegelt oder überbaut werden, weil der Boden sonst weniger Wärme von oben aufnimmt. Rasen, Beete und niedrige Bepflanzung sind üblich. Planen Sie Terrasse, Carport oder Pool von Anfang an außerhalb des Kollektorfelds.
Reicht Ihr Garten für einen Erdkollektor?
Nennen Sie Wohnfläche und Grundstücksgröße. Fachbetriebe aus Ihrer Region prüfen, ob Kollektor oder Sonde besser passt, und erstellen ein Angebot.