Erdwärmepumpe: mit Tiefensonde oder Flachkollektor?
Zwei Wege führen zur Wärme im Boden. Welcher zu Ihrem Grundstück passt, hängt von Fläche, Untergrund und Behörde ab.
Was eine Erdwärmepumpe ausmacht
Eine Erdwärmepumpe ist eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, die ihre Energie aus dem Boden des eigenen Grundstücks bezieht. Gewonnen wird die Wärme entweder senkrecht über eine oder mehrere Erdwärmesonden oder waagrecht über einen Flachkollektor knapp unter der Oberfläche.
Beide Varianten arbeiten nach demselben Prinzip: Ein geschlossener Rohrkreis voller Sole nimmt Wärme aus dem Erdreich auf und bringt sie zur Wärmepumpe im Haus. Der Unterschied liegt darin, wo und wie die Rohre im Boden liegen. Das entscheidet über Platzbedarf, Erdarbeiten, Genehmigung und einen großen Teil der Kosten.
Die Wärmepumpe selbst ist in beiden Fällen dieselbe Bauart. Wie sie Sole, Kältemittel und Heizwasser verbindet, erklärt die Seite Funktion der Sole-Wasser-Wärmepumpe.
Erdwärmesonde und Erdkollektor im direkten Vergleich
Die wichtigsten Unterschiede der beiden Wärmequellen für eine Erdwärmeheizung.
| Merkmal | Erdwärmesonde (vertikal) | Flachkollektor (horizontal) |
|---|---|---|
| Lage im Boden | meist 50 bis 150 m tief | 1 bis 1,5 m tief |
| Platzbedarf | gering, mind. 6 m Abstand zwischen mehreren Sonden | ca. 1,5- bis 3-fache Wohnfläche |
| Arbeiten | Bohrgerät, Zufahrt nötig | Bagger, großflächiger Aushub |
| Wasserrecht | in der Regel Anzeige nach § 31c WRG | je nach Bundesland, bei der Behörde klären |
| Bohrbonus Bund | € 5.000 für neue Sonde | kein Bohrbonus (nur für neue Sonde oder Brunnen) |
Stand Oktober 2026. Tiefe und Sondenabstand laut energiesparhaus.at, Kollektorwerte laut Broschüre der Stadt Wien (2014), Wasserrecht laut Merkblättern von Wien und Oberösterreich, Bohrbonus laut Infoblatt Neuauflage Kesseltausch 2026.
Erdwärmepumpe mit Tiefensonde
Bei der Sondenvariante bohrt ein Bohrunternehmen ein oder mehrere Löcher senkrecht in den Boden. Darin wird die Sonde eingebaut, ein Rohrbündel, durch das später die Sole fließt. Der Hohlraum um die Rohre wird verfüllt, damit die Wärme gut übertragen wird und keine Verbindung zwischen Grundwasserschichten entsteht.
Wie lang die Sonde sein muss, hängt von der Heizleistung und vom Untergrund ab. Der OÖ Energiesparverband nennt als Faustwert 20 bis 25 m Bohrtiefe je Kilowatt. energiesparhaus.at rechnet mit einer Entzugsleistung von durchschnittlich 50 bis 70 Watt je Meter, bei trockenem, schlecht leitendem Boden mit höchstens 20 Watt. Für ein Haus mit 10 kW Heizlast nennt energiesparhaus.at rund 150 m, nach dem Faustwert des OÖ Energiesparverbands wären es 200 bis 250 m. Die genaue Länge, aufgeteilt auf eine oder mehrere Sonden, berechnet der Fachbetrieb.
Für wen die Sonde passt
- Kleine oder bereits gestaltete Gärten, in denen kein großer Aushub möglich ist
- Häuser mit höherem Wärmebedarf, der eine stabile Quelle verlangt
- Grundstücke, die ein Bohrfahrzeug erreichen kann
- Lagen außerhalb von Schutzzonen, in denen Bohrungen ausgeschlossen sind
Erdwärmepumpe mit Flachkollektor
Beim Kollektor liegen Kunststoffrohre in Schlingen waagrecht im Garten, laut Stadt Wien in 1 bis 1,5 m Tiefe. Die Wärme, die sie aufnehmen, stammt vor allem von Sonne und Regen, die den oberen Boden erwärmen. Darum soll die Fläche darüber nicht versiegelt oder überbaut werden.
Der Kollektor ist eine Option für Neubauten mit großem Grundstück, bei denen die Erde ohnehin bewegt wird. Im Bestand mit angelegtem Garten ist der Aufwand meist größer. Details zu Fläche und Verlegung lesen Sie unter Erdkollektor-Wärmepumpe.
Wie Sie die passende Erdwärmequelle finden
Am Anfang steht die Heizlast Ihres Hauses. Erst wenn feststeht, wie viel Leistung die Wärmepumpe liefern muss, lässt sich sagen, wie lang die Sonde oder wie groß der Kollektor sein muss. Danach folgen der Blick auf das Grundstück und die Frage an die Wasserrechtsbehörde, ob am Standort gebohrt werden darf.
Bei den Kosten liegt die Sonde wegen der Bohrung in der Regel höher. Bosch Österreich nennt für die Erschließung mit Sonde € 5.000 bis 10.000 bei € 50 bis 100 je Bohrmeter. Für Flachkollektoren nennt die Quelle keinen eigenen Betrag. Eine Übersicht über alle Kostenblöcke finden Sie unter Sole-Wasser-Wärmepumpe Kosten. Wenn Sie beide Varianten für Ihr Grundstück durchrechnen lassen wollen, nutzen Sie die Angebotsanfrage für die Erdwärmepumpe.
Fragen zur Erdwärmepumpe
Ist eine Erdwärmepumpe dasselbe wie eine Sole-Wasser-Wärmepumpe?
Im Alltag meist ja. Als Erdwärmepumpe bezeichnet man eine Wärmepumpe, die ihre Wärme aus dem Erdreich holt, und das geschieht fast immer über einen Solekreis mit Sonde oder Kollektor. Manche zählen auch die Grundwasser-Wärmepumpe dazu, die aber mit Brunnen statt mit Sole arbeitet.
Was ist besser, Erdsonde oder Flachkollektor?
Keines von beiden ist grundsätzlich besser. Die Sonde braucht kaum Fläche und erreicht stabile Temperaturen in der Tiefe, verlangt aber eine Bohrung und eine wasserrechtliche Anzeige. Der Kollektor kommt ohne Tiefenbohrung aus, braucht dafür eine große freie Gartenfläche, die später nicht überbaut werden sollte.
Wie tief wird für eine Erdwärmepumpe gebohrt?
Laut energiesparhaus.at reichen Erdwärmesonden meist 50 bis 150 m tief. Der OÖ Energiesparverband nennt als Faustwert rund 20 bis 25 m Bohrtiefe je Kilowatt Heizleistung. Die genaue Länge ergibt sich aus Heizlast und Untergrund und wird vom Fachbetrieb berechnet.
Bekomme ich für eine Erdwärmepumpe den Bohrbonus?
Der Bohrbonus von € 5.000 in der Neuauflage Kesseltausch 2026 ist für eine neue Erdwärmesonde bei Sole-Wasser beziehungsweise einen neuen Brunnen bei Wasser-Wasser vorgesehen. Für einen Flachkollektor ohne Bohrung ist er daher nicht vorgesehen (Stand Oktober 2026).
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